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Bearbeitung von maschinell erstellten Texten

(Kein) Maschineller Wortsalat

Maschinelle Übersetzungssysteme haben in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Doch nur weil ein System menschliche Sprache nachahmen kann, wird es dadurch nicht zu einem intelligenten Wesen. Maschinen fühlen und denken nicht wie wir. Sie kennen keine Empathie, kichern nicht über Kalauer und zucken auch nicht zusammen, wenn man sich ihnen gegenüber im Ton vergreift. Folglich klingen maschinell erstellte Texte oft leblos und steif.

In manchen Anwendungsfällen ist das nicht so schlimm. Eine simple Bedienungsanleitung oder die neueste Verwaltungsvorschrift soll ja keine Comedypreise gewinnen. Wenn eine maschinelle Übersetzung aber unfreiwillig komisch ist und dadurch Ihren Ruf ruiniert, ist das ein Problem.

Damit Ihnen das nicht passiert, unterstütze ich Sie mit sogenannten MTPE-Services. Dabei orientiere ich mich am geltenden ISO-Standard und arbeite gemäß meiner KI-Richtlinie.

PC-Bildschirm mit Programmcode

Auf einen Blick

Was ist „MTPE“?

MTPE steht für Machine Translation Post-Editing und meint die Nachbearbeitung von maschinell erstellten Übersetzungen. Gelegentlich findet sich auch die Abkürzung PEMT für Post-Editing of Machine Translation und im deutschen Sprachraum taucht statt MT oft MÜ für maschinelle Übersetzung auf. Und weil das noch nicht verwirrend genug ist, sprechen Marketingteams mancher Übersetzungsagenturen und „KI“-Anbieter nun von AIPE, also von Artificial Intelligence Post-Editing. Daran erkennen Sie, dass hier viel heiße Luft im Spiel ist. Denn „KI“-Systeme sind auch nur Maschinen – eine neue Abkürzung ist überflüssig. Deswegen bleibe ich auf meinen Seiten einheitlich bei MT beziehungsweise MTPE.

Man unterscheidet „full MTPE“ und „light MTPE“. Ersteres meint die vollständige Überarbeitung der maschinell erzeugten Übersetzung, damit sie korrekt, verständlich, stilistisch angemessen und von einer menschlichen Übersetzung nicht mehr zu unterscheiden ist. Dabei soll möglichst viel von der MT-Version behalten werden. Diese Definition stammt aus dem Standard ISO 18587: „Translation services – Post-editing of machine translation output – Requirements“.

Im Gegensatz dazu sollen beim vereinfachten „light MTPE“ nur die wesentlichen Inhalte des Ausgangstextes vermittelt werden. Typisches Beispiel: In einem internationalen Unternehmen sollen alle Mitarbeitenden bestimmte interne Dokumente verstehen, obwohl sie unterschiedliche Muttersprachen haben. Hier kann die Übersetzung stilistische Aspekte vernachlässigen; sie muss aber inhaltlich trotzdem korrekt und frei von Rechtschreib-/Grammatikfehlern sein.

WICHTIG: Soll Ihr Text veröffentlicht werden, ist „light MTPE“ der falsche Ansatz!

Mit üblichen Tools: 80% Übersetzung + 20% Feinschliff

Langer blauer Balken
Kurzer grauer Balken

Mit MTPE-Methode: 20% Übersetzung + 80% Feinschliff

Kurzer grauer Balken
Langer blauer Balken

Ein häufiger Irrglaube ist, dass man Texte maschinell vorübersetzen kann und „nur mal kurz drüberschauen“ muss. Bei einfachen Texten oder einer groben Übersetzung von internen Dokumenten („light MTPE“) mag das stimmen. Aber genau da liegt der Knackpunkt: Es sind dann eben nur grobe Übersetzungen. Fachbegriffe stimmen nicht. Nuancen gehen verloren. Ton und Stil ändern sich. Druckreif sind solche Übersetzungen nicht!

Darum spart „KI“ kaum Zeit

Professionelle Sprachdienstleister nutzen seit Jahren Tools, die den Übersetzungsprozess beschleunigen und Kosten senken, ohne dass die Qualität leidet. Diese maschinell gestützte Arbeitsweise wird Computer-Assisted Translation (CAT) genannt. CAT-Software umfasst Terminologiedatenbanken (für konsistente Fachbegriffe), Translation-Memory-Systeme (für effizient wiederverwendbare Übersetzungen) und kleine Helferlein wie eine Auto-Suggest-Funktion (für schnelleres Tippen).

Screenshot der Übersetzungssoftware Trados Studio

Wenn nun Kunden Texte von einem „KI“-System vorübersetzen lassen – sei es ChatGPT, Amazon Translate, DeepL oder ein ähnliches Produkt – und hoffen, die Übersetzungskosten so auf ein Drittel oder gar ein Zehntel senken zu können, ist die Enttäuschung oft groß. Denn Übersetzer müssen dann die Vorübersetzung genau mit dem Originaltext abgleichen, Wörter verschieben oder ersetzen, uneinheitliche Fachbegriffe korrigieren und Fehler aufspüren, die menschliche Profis gar nicht gemacht hätten. (Beispiele finden Sie im Abschnitt „Mensch gegen Maschine“ und am Ende dieser Seite in den Antworten auf häufige Fragen.)

Unterm Strich gehts also schneller, Übersetzungen mit CAT-Software, Tastenkürzeln und weiteren Tools selbst zu erstellen, statt die fehlerhaften Ausgaben einer Maschine zu korrigieren. Falls nötig und sinnvoll, können Übersetzer auch selbst „KI“-Systeme in ein CAT-Tool einbinden. Deswegen sollten Sie bei maschinell vorübersetzten Texten realistisch bleiben und keine Megapreisnachlässe erwarten.

Geeignete Textarten

Bei bestimmten Texten kann eine maschinelle Vorübersetzung tatsächlich Zeit sparen. In meinen ersten Berufsjahren habe ich beispielsweise oft Produktdatenblätter mit immer wiederkehrenden Formulierungen übersetzt. Das ist genau die Art von monotoner Tipperei, die gern von Maschinen übernommen werden darf. Weitere Beispiele sind:

  • Benutzerhandbücher
  • Rezepte und ähnliche Anleitungen
  • Standardangaben zu Hotels, Flügen, Mietwagen, Restaurants usw.
  • Generische AGB-Texte
  • Einfache Kurs-/E-Learning-Inhalte
  • Fragebögen und Benutzerumfragen mit Standardformulierungen

Natürlich sollten automatisch erstellte Übersetzungen sorgfältig geprüft werden, damit Inhalt und Form stimmen. Auch hier gilt: Professionelle Übersetzer haben für diese Textarten schon längst passende Tools, sodass durch neuere „KI“-Systeme nur noch geringe Zeitgewinne hinzukommen.

Praxisbeispiel: Mehrkosten durch MTPE

Hand hält mehrere brennende Dollarscheine

Ein typisches Problem entsteht, wenn MTPE nicht zielgerichtet genutzt wird, sondern als Abkürzung dient, um Kosten zu sparen. Die Ironie dabei: Die Gesamtkosten können bei einer schlecht durchdachten Vorgehensweise sogar höher sein!

Dazu ein Beispiel: Ein E-Learning-Anbieter hatte mich für ein MTPE-Projekt engagiert, bei dem englische Kursinhalte maschinell vorübersetzt und dann iterativ durch mehrere Sprachdienstleister verbessert werden sollten. Die deutschen Texte wurden den zahlenden (!) Nutzern der Plattform sofort zugänglich gemacht. Es war zwar als Betaversion gekennzeichnet, aber trotzdem eine schlechte Idee: Denn wenn Sie für etwas Geld verlangen, dann doch bitte nicht für halbfertige Inhalte von minderer Qualität!

Eine weitere Hürde waren schwammige Anweisungen. So sollten zunächst „nur grobe Fehler“ korrigiert werden, die bei Lernenden Frust verursachen. Doch das ist subjektiv. Manch einer ist von Schachtelsätzen frustriert, manch anderer von uneinheitlichen Fachbegriffen oder ständigem Wechsel zwischen „du“ und „Sie“. Zudem wünschte der Kunde ein Bearbeitungstempo von bis zu 2.000 Wörtern pro Stunde – das lässt wirklich nur grobe Verbesserungen zu.

Im zweiten Durchgang sollte ein anderer Übersetzer getreu dem Vier-Augen-Prinzip für den Feinschliff sorgen. An sich eine gute Idee, aber: Für diese Person waren die Texte neu und sie enthielten noch diverse Fehler, die der erste Bearbeiter durch Zeitdruck und unklare Vorgaben nicht korrigiert hatte. Die zweite Person musste sich also von vorn in die Texte einarbeiten, sollte nun aber deutlich weniger Zeit aufwenden.

Im finalen Durchgang schließlich sollte einer der Übersetzer die auf der E-Learning-Plattform veröffentlichte deutsche Version durchklicken, um den Kontext zu prüfen und sicherzustellen, dass alles richtig übersetzt und formatiert wurde. Fehlenden Kontext hätte man aber schon im ersten Durchgang prüfen müssen!

Das Ende vom Lied: Der E-Learning-Anbieter bezahlte mehrmals für dieselbe Leistung und hätte viel Geld sparen können.

Ein kurzes Rechenbeispiel verdeutlicht dies. Wenn ein Kurs zum Beispiel 10.000 Wörter umfasst und die beteiligten Übersetzer je 50€/Stunde berechnen, ergibt sich bei den vom Kunden erhofften Geschwindigkeiten folgender Aufwand:

– 1. Durchgang: 5 Stunden (2.000 Wörter/Std.)
– 2. Durchgang: 3,3 Stunden (3.000 Wörter/Std.)
– 3. Durchgang: 2,5 Stunden (4.000 Wörter/Std.)

Also: 5*50€ + 3,3*50€ + 2,5*50€ = 540€.
Bei einem einzigen ordentlichen MTPE-Durchgang mit etwa 1.200 Wörtern pro Stunde wären es nur 8,3*50€ = 415€ gewesen! Wie Sie sehen, ist MTPE kein Wundermittel gegen zu hohe Kosten, sondern erfordert eine sinnvolle Strategie.

Abrechnung und Zahlung

MTPE rechne ich zu meinem Standardpreis von 50€/Stunde ab. Wird MTPE sinnvoll und mit geeigneten Texten eingesetzt, sind etwa 1.000 bis 1.500 Wörter pro Stunde möglich („full MTPE“). Ich schaue mir gern Ihr konkretes Projekt an, um den Aufwand und möglichen Nutzen von MTPE einzuschätzen.

Als Zahlungsoptionen gibt es die SEPA-Überweisung und für nichteuropäische Kunden auch PayPal. Meine Zahlungsfrist beträgt 14 Tage und es gelten meine AGB.

Auch nach Jahrzehnten nicht am Ziel

Die Geschichte der maschinellen Übersetzung beginnt nicht etwa mit Google oder OpenAI. Die ersten praktischen Überlegungen, wie man Texte maschinell von einer Sprache in eine andere übersetzen könnte, gab es nämlich schon vor fast hundert Jahren, als in den 1930ern die zwei Erfinder Georges Artsrouni und Petr P. Troyanskii separat Patente für Übersetzungsmaschinen anmeldeten (Buchtipp: Early Years in Machine Translation).

Zwei kleine Zahnräder stehen auf einer Computertastatur

Es folgte schnell die Erkenntnis, dass dies kein leichtes Unterfangen sein würde und man erstmal Grundlagenforschung betreiben müsste. Dazu kam es zwar, doch der Enthusiasmus, der in den 1940ern und 1950ern diverse wissenschaftliche Arbeiten, Konferenzen und neue Lehrstühle hervorbrachte, erhielt bald einen Dämpfer. Aus einem einfachen Grund: Menschliche Sprache ist komplex, vielschichtig und oft doppeldeutig. Sie lässt sich nicht mit einfachen Regelsystemen beschreiben und übersetzen.

Das Forschungsfeld entwickelte sich von rein regelbasierten Ansätzen weiter, probierte es mit statistischen Verfahren und Sprachmodellen zur Vorhersage von Wortsequenzen, bis es schließlich zu Methoden des maschinellen Lernens, neuronalen Netzen und dem Modelltraining mit riesigen Datenmengen überging. Natürlich wurden in all den Jahrzehnten Fortschritte gemacht. Die Zeiten holpriger Übersetzungen von Google Translate mit zig Grammatikfehlern sind vorbei. Doch präzise, konsistente und zielgruppengerechte maschinelle Übersetzungen ohne menschliches Eingreifen gibt es auch heute noch nicht.

Häufige Fragen

Wenn Ihre Frage hier nicht beantwortet wird, schauen Sie auch auf meine FAQ-Seite oder nutzen Sie mein Kontaktformular.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

Neulich habe ich meine Version von Outlook/Office aktualisiert. Schon während des Installationsprozesses hieß es mal „das Outlook“ und mal „die Outlook“ – als ob Microsoft den Kunden sagen möchte: „Ihr seid uns egal und keinen Cent fürs Korrektorat wert!“ Wer sich zähneknirschend damit abfindet und Office weiter nutzt, wird früher oder später irgendein Problem mit der Software haben. Und dann viel Glück auf der offiziellen Support-Website von Microsoft!

Können Sie den im Screenshot gezeigten Stuss verstehen? Selbst wenn man die offensichtlich falsche Fettschrift ignoriert, wird kein sinnvoller Satz daraus:

Aktivieren Sie die Option Neue Outlook-Umschaltfläche in Ihrer aktuellen Outlook-App ausprobieren.

Spätestens jetzt möchte man wirklich zu einem preiswerteren Alternativprodukt wechseln, oder?!

Wenn Sie also der Meinung sind, maschinelle Übersetzungen seien doch inzwischen gut genug, lässt dies zwei mögliche Schlüsse zu: Entweder Sie überschätzen die Qualität derzeitiger MT-Systeme oder Ihnen ist Ihre Kundschaft egal. In letzterem Fall sind Sie bei mir ohnehin an der falschen Adresse. Danke für Ihren Besuch und alles Gute! 😉

Für Untertitel gibt es etablierte Konventionen, damit das Publikum sie in Sekunden erfassen und dennoch den Videoinhalt mitverfolgen kann. Es gibt zum Beispiel Vorgaben, wie kurz oder lang Untertitel sein sollten und an welchen Stellen im Satz ein Zeilenumbruch okay oder unpassend wäre. Zudem sollten Untertitel mit den visuellen Inhalten sowie mit den Schnitten zwischen Szenen harmonieren.

Maschinen können zwar Zeichen und Wörter zählen, aber da sie die Inhalte nicht verstehen, fällt ihnen die sinnvolle Gliederung und Übersetzung von Untertiteltexten schwer. Vielleicht kennen Sie von YouTube oder Instagram diese maschinell erzeugten bunten Untertitel, bei denen Sätze in Fragmenten aus einzelnen Wörtern über den Bildschirm rattern? Wer auf Untertitel angewiesen ist, muss hier permanent auf den Text schauen und kann den Videoinhalt nicht mehr genießen. Da sind die Untertitel sinnlos!

Um also die Frage zu beantworten: Bei der Untertitelung sind maschinelle Systeme nur ein Notbehelf und keine echte Lösung. Es sollte mindestens eine Nachbesserung erfolgen. Oft sind dabei so viele Änderungen nötig, dass sich kaum zeitliche und finanzielle Einsparungen ergeben.